• Woran glaubst Du?

Sigmar Gabriel: „Die alte atlantische Partnerschaft ist unwiderruflich vorbei“

Der frühere Außenminister und SPD-Vorsitzende wirbt dafür, das deutsche Verhältnis zu den USA neu zu definieren, „egal wer da Präsident wird“.

Der frühere Außenminister und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will die Partnerschaft Deutschlands mit den USA neu definieren; die alte atlantische Partnerschaft sei „unwiderruflich vorbei, egal wer da Präsident wird“. Gabriel ist derzeit Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke, der sich seit 1952 für ein gutes deutsch-amerikanisches Verhältnis einsetzt.


Amerika, so analysiert Gabriel im Podcast Woran glaubst Du?, „wird pazifischer und weniger europäisch“. Über die Folgen müsse man reden und die Frage beantworten „Was verbindet Amerika und Deutschland  im 21. Jahrhundert?“. Gabriel warnte davor, „ausgerechnet als Deutscher amerikanische Wahlsysteme zu kritisieren“. Die Amerikaner seien „jedenfalls länger eine Demokratie als wir und auch weniger durch Blut gewatet, bis sie eine hatten“. Gabriel prognostiziert, dass die USA „irgendwann feststellen werden“, dass ‚Bowling alone‘ in der Welt des 21. Jahrhunderts „ein auch für sie gefährliches Spiel“ sei.


Gabriel äußerte sich im Podcast „Woran glaubst Du“, der von Kerstin Humberg und Heribert Prantl auf Audio Now betrieben wird, auch zur Krise der SPD und zu seinem Rückzug aus der Politik. Die Lage der SPD mache ihn „wehmütig und traurig“; eine Rückkehr an die Spitze der Partei schloss er kategorisch aus. Gabriels Betrachtung der Lage seiner Partei gipfelt in der Antwort auf die Frage „Drei Dinge, die mich auf die Palme bringen ...“. Dazu Gabriel: „S – P – D“.  Er riet seiner Partei, im Wahlkampf eine Idee dafür zu entwerfen, wie Deutschland in zehn Jahren sein soll: eine Strategie für wirtschaftlichen Erfolg und soziale Sicherheit.


Die Wahrscheinlichkeit, dass die SPD der nächsten Bundesregierung angehöre, so Gabriel im Podcast-Gespräch, sei „überschaubar groß“; das sei aber „kein Weltuntergang“. Es gebe viel Anlass zur Vermutung, dass es auf Schwarz-Grün hinauslaufe. Im Rückblick auf seine Zeit in der Regierungskoalition mit Merkel lobte Gabriel die Verlässlichkeit der Kanzlerin; diese sei bei ihr „auch ein Machtprinzip“. Angela Merkel habe aus seiner Sicht „nicht viele politische Fehler“. Einen aber habe sie: bei Personalentscheidungen warte sie zu lange; und dann liege sie oft daneben.